Registriert seit: 11.12.03
Alter: 28
Beiträge: 173
|
AW: "Special" Nissan Skyline GT-R
Weiter runter geht die Fahrt am Hatzenbach vorbei, 4. Gang, 160 km/h liegen an, bloss nichts überstürzen, langsam gaswegnehmen, mürrisch schnaubt er die Drehzahl nach unten, aussen anfahren und die laut brüllende Fuhre hineingleiten lassen. Immernoch sehr vorsichtig, immer noch am studieren wie Godzilla reagiert. Vollgas hoch auf die Quiddelbacher Höhe, vorbei am Flugplatz, eine der schnellsten Sektionen liegt vor mir, Godzilla schiebt gewaltig, man hört jedes einzelne Pferd galoppieren, der Beifahrer könnte jetzt nichteinmal mehr den Radiosender verstellen, die Landschaft fliegt förmlich vorbei. Vollgas durchs Schwedenkreuz, keine Einwände seitens des Geschosses Kaliber R34 unter meinem Hintern. Die Lenkung ist messerscharf und präzise wie ein Scharfschützengewehr, keinerlei Korrigieren notwendig, auch die Rückmeldung der Vorderräder ist einzigartig. Aremberg, die erste schärfere Kurve in der ich mich langsam ans Limit herantaste, kurzes Aufheulen der Reifen doch dann legt sich der GT-R butterweich in die Kurve, einfach fantastisch, kaum Seitenneigung, kein Untersteuern, kein ängstlicher Adrenalinausstoss meinerseits.
Am Kurvenscheitel kommt die Einsicht ?VERDAMMT, das ginge auch doppelt so schnell?. Gutmütig und wie auf Schienen zieht er durch Kurve, wie gewohnt nach dem Scheitel langsam dem Vollgas nähern und wieder denkt man sich ?VERDAMMT, das ginge viel früher?. Der Motor brüllt mich an als wolle er sagen ?Ist das alles was du draufhast?!?
Meine schweissnassen Hände umklammern fest das dicke Alcantara-Lenkrad, jetzt hat er mich, das ist kein Auto, das ist ein Symbiont! Dieses Monster verleibt sich den Fahrer ein, saugt ihn in sich auf, wird eins mit ihm, man beginnt mechanisch zu denken während das Auto menschlich wird.
Wieder eine lange Vollgaspassage Richtung Fuchsröhre, der GT-R verlangt förmlich dass man ihn da durchprügelt, den Tacho und die Schaltvorgänge nimmt man garnicht mehr wahr, alles geschieht instinktiv und intuitiv. Das Anbremsen zum Adenauer Forst geschieht vollautomatisch, anfangs bremst man aber viel zu früh, diese Bremsanlage ist der Wahnsinn. Die G-Kräfte die man in den Kurven zu spüren bekommt ebenfalls, man merkt schnell dass man eigentlich viel zu langsam ist, das Auto wesentlich mehr Potential hat und arbeitet sich mit kleinen Gasstössen an die Traktionsgrenzen heran, doch dieses Auto will einem glauben machen, dass es diese Grenzen garnicht gibt. Wo man selbst mit reinrassigen Sportwagen sich irgendwann nicht mehr traut mehr Gas zu geben, fangen beim GT-R erst die Reifen zu quietschen an und man wird brutal in die Seitenlehnen der Sportschalen gepresst.
An der Ex-Mühle ist es dann soweit, der gelbe Porsche GT2 kommt in Sichtweite. Am Bergwerk ist er nur noch einige Meter entfernt, auf der Geraden habe ich mächtig aufgeholt und wie sieht jetzt der Vergleich in der Kurve aus? Er bleibt gerade noch vorne, schaltet aber hektisch als wüsse er was auf ihn zukommt, auf der langen Bergaufpassage will ich ihn loswerden um meine Ruhe zu haben. Etwas arg hochnäsig und arrogant für jemanden in einer motorisierten Reismühle der das über einen Porsche GT2 denkt. Ich will mich rechts neben ihn setzen, er kämpft! Er zieht ebenfalls nach rechts rüber, mit Lichthupe gebe ich ihm zu verstehen, dass wir hier keinen Grand Prix fahren und Kampflinie fahren nicht gerade angebracht ist. Ich ziehe nach links, er auch, so ein Asi. Ich täusche rechts an, er zuckt ebenfalls nach rechts, ich schalte zwei Gänge runter trete fast bis zur Ölwanne durch, der Motor schreit als wolle er sagen ?So will ich das sehen! Mach ihn endlich Nass!? und ziehe auf gleiche Höhe. Der Porsche Treter schaut gleichzeitig verwundert und wütend in meine Richtung. Ich winke freundlich zum Abschied, die Turbolader drehen hoch, pfeifen ihre monotone Kraft-Arie, es knallt zweimal kräftig unter mir im Abgassystem, Godzilla speit Siegesfeuerchen und nach dem Kesselchen ward er nicht mehr gesehen.
Im Klostertal entdecke ich dann den roten Renner aus Italien, ich stellte mich schon geistig auf ein weiteres Duell ein, kurz vorm Karussel war ich dann direkt hinter ihm und wartete darauf, was er für Spässchen für mich bereithielt. Keine, er blinkte rechts, ging rechts zur Seite und liess mich innen vorbei, als ich rüberschaute entdeckte ich einen gehobenen Daumen und ein freundliches Nicken, ich erwiderte es und zog vorbei. Einen Golf Variant und zwei Astras später näherte ich mich dem Brünnchen, berühmt berüchtigt und sehr beliebt bei den Zuschauern, besonders wegen der vielen Abflüge. Doch problemlos wie mit keinem anderen Auto zuvor nehme ich die Doppelrechts, Godzilla besteht die schwierigste Prüfung mit Bravour. Wahnsinn diese Traktion, man kann es nicht oft genug erwähnen. Am Pflanzgarten wollte ich dann seine Driftfähigkeiten testen, innen angefahren, kurz links angestellt, schnell nach rechts in die Kurve gezogen, gegengelenkt und da steht er, maximaler Driftwinkel, noch nie machte mir das Spiel mit dem Gaspedal und dem Motor mit dem es verbunden ist mehr Spass, jeder Gasstoss wird sofort mit heftigem Gebrüll umgesetzt, kein Rucken, kein Zucken, kein unkontrolliertes Schwänzeln mit dem Hinterteil und als Zugabe das rhythmische Abblasen des Blow-Off Ventils. Hat man ein geeignetes Popometer ist mit diesem Monster auf Rädern alles möglich.
Irgendwann am Schwalbenschwanz schaltet dann mein ?Berichterstatter?-Gehirn ab und ich genoss nur noch. Fahren wird zu einem Urinstinkt (Ur-Instinkt, nix Urin!) in diesem Auto.
Erst wenn man aussteigt, merkt man, wie sehr man sich konzentiert hat, wie hoch der Erschöpfungsgrad ist. Im GT-R werden diese Wahrnehmungen und Zustände von Godzilla aufgesaugt, man spürt nur sich, das Auto und die Strasse. Würde jemand im Auto fragen, ob es anstrengend sei das Auto so zu bewegen, würde man mit einem klaren und lauten ?Nein? antworten. Doch steht man nach dem Turn vor dem Auto, mit zittrigen, schweissnassen Händen, weichen Knien, glänzenden Augen, mit jeder Menge Glückshormonen im Körper und Dauergrinsen im Gesicht, würde die Antwort anders ausfallen. Man kommt sich vor als wären Körper und Geist übernommen worden und nach Öffnen der Tür würde man wieder ausgespuckt.
Mein Fazit ist damals und heute das Gleiche: Wenn man einmal einen GT-R gefahren und seine Kraft, sein Handling und seine Traktion erfahren hat, will man nichts anderes mehr, das Auto ist pure Emotion, purer Fahrspass, ?a 50.000 Pound Playstation? eben. Und dazu noch 100%ig alltagstauglich. Brötchen holen? Kein Problem. 911er jagen? Kein Problem. Nichts, garnichts bringt mehr Spass, sei es ein SL55, ein Murciélago, eine Viper, eine Cobra oder ein Maranello. Sie alle haben Power, sie alle haben mehr Stil und ein wesentlich besseres Image, sie alle sind teuerer und sehen besser aus, also müssen sie doch auch besser sein? Naja werden die meisten jetzt denken, sind sie ja auch, was kann ein Reisbrenner schon gegen solche gestandenen Super-Sportwagen ausrichten. Ich versuche erst garnicht euch zu missionieren, es hat wie schon sooft in Diskussionen bewiesen, sowieso keinen Zweck. Die einzige Möglichkeit es zu erfahren ist es, einen GT-R zu erfahren, zu beschreiben ist dieses Monstrum schlecht. Andere Sportwagen sind auch schön und schnell, aber keiner hat mich so fasziniert und in seinen Bann gerissen wie Godzilla.
Ich weiss, viele, viele Buchstaben und somit viel zu lesen, aber ich hoffe ich konnte euch mein persönliches Lieblingsauto ein bisschen näher bringen und es war einigermassen unterhaltsam und informativ.
Wenn ich mir das nochmal durchlese merke ich bestimmt wie viel ich vergessen habe zu erwähnen, aber man kann es ja noch anfügen. Fragen, Kritik, Vorschläge? Nur raus damit.
In diesem Sinne, schönes langes Restwochenende noch
The End
|