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Alt 08.04.07, 00:17  
Sebastian
 
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Beiträge: 721
Standard AW: Papst fordert Gottesbezug in EU-Verfassung

Ich verstehe die Aufregung - sowohl in der generellen Diskussion als auch in der speziellen hier im Forum - nicht so richtig.
Das Vorhandensein eines "Gottesbezuges" in der EU-Verfassung wird meiner Meinung nach überschätzt - gleich in mehrerlei Hinsicht.

1. Ist eine EU-Verfassung grds. in rechtlicher Hinsicht von zweifelhafter Bedeutung. Sie wird die territorialen bzw nationalen Verfassungen nicht ersetzen, sondern lediglich Auslegungshilfe bei grenzüberschreitenden Rechtsfragen sein und ggf. zur Angleichung bzw. Vereinheitlichung der einzelnen nationalen Verfassungen anregen. Wie jeder einzelne Mitgliedsstaat letztendlich seine fundamentalen und grundlegendsten rechtlichen Normen ausgestaltet wird auch weiterhin ihre ureigenste Angelegenheit bleiben.

2. Der Gottesbezug selber hat ebenfalls nur die Funktion, moralisch/ethische Auslegungsmaßstäbe zu definieren. Ob man jetzt auf "Gott" oder "Moral" verweist, ist letztendlich egal, Ersteres jedoch weit konkreter und für Otto Normalbürger einfacher nachzuvollziehen.
Die in Europa vorherrschende moralische Instanz ist nunmal die Kirche. Daher macht es nur Sinn, wertungsbedürftige Normen im Lichte der am weitesten verbreiteten Moralvorstellungen auszulegen.

3. Ein Gottesbezug muss sich letztendlich nicht ausdrücklich auf einzelne Religionsgruppen beziehen, sondern kann - wie hier im Thema bereits mehrfach von verschiedendster Stelle erwähnt - auch derart abstrakt gehalten werden, dass sich keine Glaubensgemeinschaft ernsthaft diskriminiert fühlen muss.
Letztendlich ist die Schnittmenge zwischen den moralischen Instanzen unserer Gesellschaften in der EU doch so groß, dass man - egal in welchem Lichte der Weltanschauungen man wertungsoffene Regelungen auslegt - zum gleichen Ergebnis kommen wird.
Machen wir uns nichts vor: Die Formulierung der EU-Verfassung sollte möglichst pragmatisch erfolgen, schließlich sollte es nicht um den "Machtkampf" der Glaubensgemeinschaften, sondern um eine sinnvolle Regelung des immer intensiver werdenden zwischenstaatlichen Miteinanders gehen.

Gruß

NABA
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hansi ist gerade online  

Alt 08.04.07, 00:25  
Jacek
 
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Beiträge: 734
Standard AW: Papst fordert Gottesbezug in EU-Verfassung

Zitat:
Zitat von NABA Beitrag anzeigen
Die in Europa vorherrschende moralische Instanz ist nunmal die Kirche.
Und genau diese Ansicht ist mir ein Dorn im Auge.
Kirche --> DIE moralische Instanz.
Das stinkt mir so richtig, wenn jemand sowas sagt. Aber dermaßen!

Zitat:
Machen wir uns nichts vor: Die Formulierung der EU-Verfassung sollte möglichst pragmatisch erfolgen, [...]
Rrrrichtig - Daher RAUS mit Gottesbezügen aus irgendwelchen Verfassungen!
Denn religion ist nichts pragmatisches.
Jacek ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.04.07, 00:43  
Sebastian
 
Registriert seit: 13.09.03
Beiträge: 721
Standard AW: Papst fordert Gottesbezug in EU-Verfassung

Zitat:
Zitat von tee-ef-cee Beitrag anzeigen
Und genau diese Ansicht ist mir ein Dorn im Auge.
Kirche --> DIE moralische Instanz.
Das stinkt mir so richtig, wenn jemand sowas sagt. Aber dermaßen!
Hör doch auf rumzuheulen. Lass den Leuten ihren Glauben, sie lassen DIR doch auch deinen Unglauben, oder?? Willst du bestreiten, dass sich die Kirche für Moral, Ethik etc einsetzt? Ruft der Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) regelmäßig zu friedlichem Miteinander, zur Solidarität und Hilfe für Arme und Bedürftige auf, nimmt er Stellung zu gesellschaftlichen Problemen, sammelt Spenden um aktiv etwas zu ändern? Tut er nicht!
Nicht Worte zählen, sondern Taten!
Alleine dieser Grundsatz legitimiert die Kirche als moralische Instanz.

Zitat:
Rrrrichtig - Daher RAUS mit Gottesbezügen aus irgendwelchen Verfassungen!
Denn religion ist nichts pragmatisches.
Du hast scheinbar den Impetus nicht verstanden.
Pragmatik ist definiert als "die Orientierung auf das Nützliche, eine zielorientierte Strategie und Handlungsweise".
Religion kann sehr wohl "pragmatisch" sein, nämlich dann wenn sie geeignet ist, das angestrebte Ziel zu erreichen.
Ziel der EU-Verfassung ist es, Maßstäbe für das Zusammenleben /-wirken der Gesellschaften im europäischen Raum zu schaffen. Dies geht nicht ohne Wertungen und Auslegungen, die sich an bestimmten bestehenden Wertvorstellungen orientieren müssen. Diese Wertvorstellungen SIND bereits vorhanden, sie sind Teil unserer Gesellschaft in den gesellschaftlichen Vorstellungen, die über die Jahre maßgeblich von der Kirche geprägt wurden.
Wieso eine neue "Moral" etablieren, wenn die Menschen der EU bereits ein Vorverständnis dieses Begriffes haben? Verstehst du was ich meine?
Hier geht es nicht ums "Abtreibungs- oder Kondomverbot" der Kirche, um Blödsinn wie "kein Sex vor der Ehe" oder dergleichen. Sowas soll doch gar nicht in die Verfassung und hätte dort auch nichts zu suchen.
Aber wenn du Wertvorstellungen wie Solidarität, Mitgefühl etc - die als Wertungsmaßstab den einzelne Normen der EU-Verfassung in der Praxis eine Form geben sollen - verteufelst, nur weil die geläufigsten Ausprägungen und Konkretisierungen dieser Worthülsen von Vertretern der "Kirche" vorgenommen wurden und daher vll dogmatisch eingefärbt sind, hast du nicht verstanden worum es geht.
Schreib drauf was du willst, "christlicher Moralbegriff", "atheistischer", "Ethik", was du willst...einfacher und "pragmatischer" ist es, einen Begriff zu wählen, der den meisten Menschen gebräuchlich und verständlich ist. Und das ist nunmal der Moralbegriff, den die Kirche geprägt hat, ob dir das gefällt oder nicht...

NABA
Sebastian ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.04.07, 01:34  
Sebastian
 
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Standard AW: Papst fordert Gottesbezug in EU-Verfassung

Entschuldigt, wenn ich gleich nochmal schreibe...

Ein kleines Beispiel:

Nehmen wir an

1. In der Präambel der EU-Verfassung steht etwas in der Art: "In ihrer Verantwortung vor Gott und den Menschen geben sich die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union als Werte- und Wirtschaftsgemeinschaft folgende Verfassung [...]"

2. In irgendeinem §/Art. steht was von: "Jeder Mensch hat das Recht auf ausreichen Erholung und Zeit zur Regeneration vom Arbeitsalltag. Die Geltendmachung dieses Recht darf nicht übermäßig durch arbeitsrechtliche Regelungen verhindert werden."

3. Die EU gibt eine neue "Richtlinie" heraus, in der folgendes steht:
"Geschäfte und Gewerbe dürfen auch an Sonntagen bis zu 5 Stunden geöffnet bzw betrieben werden."

Die Richtlinie muss in nationales Recht umgesetzt werden, so dass de facto der Sonntag als "Ruhetag" nicht mehr genutzt werden kann.
Ab sofort öffnen viele Geschäfte auch Sonntags, sind die Mitarbeiter damit nicht einverstanden, werden halt die Arbeitsverhältnisse gekündigt/nicht verlängert. De facto MÜSSEN die A-Nehmer also auch Sonntags arbeiten, ob sie wollen oder nicht, sonst ist der Job weg. Frei nach dem Motto: "4 Millionen Arbeitslose stehen hinter dir und machen den Job auch Sonntags gerne".


Jetzt ist die Frage, ob die neue Richtlinie gegen die EU Verfassung verstößt.
Bei der Beurteilung dieser Frage KÖNNEN die betroffenen Richter durch den "Gottesbezug" in der Präambel der EU Verfassung nun auch auf Standpunkte der Kirche zurückgreifen - etwa dass aus Sicht der Kirche der Sonntag heilig ist und jedem Menschen als Möglichkeit der Entspannung und Ruhe bleiben sollte, blablabla... - und diese ggf. mit in ihre Entscheidungsfindung einfließen lassen. Ohne den Gottesbezug wäre dies nur eingeschränkt möglich.
Der Gottesbezug bewirkt NICHT, dass entschieden wird, wie es der Papst in irgendeiner Enzyklika den heiligen Sonntag betreffend vorgibt.
Vielmehr ist die Möglichkeit eröffnet, einzelne - vielleicht gar nicht so blöde Argumente der Kirche - mit in die Abwägung der gerichtlichen Entscheidung einfließen zu lassen. Hier fließen Wertvorstellungen und Moral mit in die Erwägung ein und sind eine Hilfe bei der Auslegung der Regelung der EU-Verfassung. Wie letztendlich entschieden wird ist völlig egal, vielleicht ist das Beispiel auch blöd gewählt, aber was besseres fällt mir nicht ein :P

Ich sehe hier kein Argument, welches gegen die Einführung eines "Einfallstores" für moralische Erwägungen sprechen würde. Es eröffnet vielmehr neue Möglichkeiten der Betrachtungsweisen und erhöht meiner Meinung nach die "Bürgernähe" der Entscheidungen, indem herrschende Wertvorstellungen der Bevölkerung mit in den Entscheidungsprozess gelangen können und nicht alles aufgrund rein rationaler Argumente entschieden werden muss. Diese "herrschenden Wervorstellungen" sind in unserer abendländischen Kultur nunmal meistens christlich geprägt, ob du damit nun was anfangen kannst oder nicht. Daher wäre der einzig sinnvolle irrationale Bezug als weiteres Auslegungskriterium ein "Gottesbezug".
Ob von der Möglichkeit letztendlich Gebrauch gemacht wird steht auf einem anderen Papier....

Das meinte ich damit, dass der Gottesbezug "überschätzt" wird...aus ihm ließen sich letztendlich nur weitere, kleine Argumente für oder gegen eine Entscheidung ziehen

NABA
Sebastian ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.04.07, 13:53  
Jacek
 
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Standard AW: Papst fordert Gottesbezug in EU-Verfassung

Zitat:
Zitat von NABA Beitrag anzeigen
Hör doch auf rumzuheulen. Lass den Leuten ihren Glauben, sie lassen DIR doch auch deinen Unglauben, oder??
Dieser Punkt steht doch garnicht zur Debatte... Zum hundertsten Mal: Ich will keinem dem Glauben verbieten!

Zitat:
Willst du bestreiten, dass sich die Kirche für Moral, Ethik etc einsetzt? Ruft der Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) regelmäßig zu friedlichem Miteinander, zur Solidarität und Hilfe für Arme und Bedürftige auf, nimmt er Stellung zu gesellschaftlichen Problemen, sammelt Spenden um aktiv etwas zu ändern? Tut er nicht!
Nicht Worte zählen, sondern Taten!
Alleine dieser Grundsatz legitimiert die Kirche als moralische Instanz.
Naja, bei der großen fiesen "perfekten Welle", gerade als das gleichnamige Lied von "Juli" rauskam, hat die Kirche keine Spenden gesammelt.
Es waren die Länderregierungen, die gespendet haben. Und das unter einem Bundeskanzler, der bei seiner Berufung ins Kanzleramt die Worte "so wahr Gott mir helfe" nicht nachgesprochen hat.
Schöne moralische Instanz Kirche.

Abgesehen von sowas spreche ich der Kirche natürlich zu, _auch_ eine moralische Instanz zu sein, aber ich spreche ihr nicht zu, DIE moralische Instanz zu sein.

Zitat:
Du hast scheinbar den Impetus nicht verstanden.
Impetus? Sorry, solche Wörter machen Texte für Nicht-Lateiner nicht gerade einfacher zu lesen und wirklich viel intelektueller wirkt das auch nicht.

Zitat:
Pragmatik ist definiert als "die Orientierung auf das Nützliche, eine zielorientierte Strategie und Handlungsweise".
Religion kann sehr wohl "pragmatisch" sein, nämlich dann wenn sie geeignet ist, das angestrebte Ziel zu erreichen.
Das angestrebte Ziel wurde meiner Meinung nach von der Kirche immer und immer wieder aus den Augen verloren.
Sonntags gehen die Menschen in die Kirche und Montags hinterziehen sie wieder steuern. Weil es ihnen so schlecht geht usw. usf., aber sie halten ja zu Gott und beten [blabla].

Genau das fechte ich als Atheist an. Wer gläubig ist und weiter denken will, dass die Kirche die Welt verbessern wird und/oder es bereits tut und/oder es bereits tat, der soll das tun - Aber sowas soll nicht in die Verfassung!

Zitat:
Ziel der EU-Verfassung ist es, Maßstäbe für das Zusammenleben /-wirken der Gesellschaften im europäischen Raum zu schaffen. Dies geht nicht ohne Wertungen und Auslegungen, die sich an bestimmten bestehenden Wertvorstellungen orientieren müssen. Diese Wertvorstellungen SIND bereits vorhanden, sie sind Teil unserer Gesellschaft in den gesellschaftlichen Vorstellungen, die über die Jahre maßgeblich von der Kirche geprägt wurden.
Ich bin nicht der Auffassung, dass Moral ohne Kirche nicht geht.
Es gibt allgemeine Moralvorstellungen, die nicht von Religion abgeleitet sind, sondern von aufklärerischen Gedankenzügen.
Wer sich bisschen für Philosophie interessiert, hat schon viele Texte zumindest gesehen, in denen Moral und Ethik begründet wird, ohne dass dabei irgendwelche göttlichen Instanzen befragt werden.

Selbst Kant, auf dessen Philosophie das Deutsche Grundgesetz und Rechtssystem stark aufbaut hat die Möglichkeit der Existenz eines Gottes für jeden lediglich OFFEN gelassen.

Zitat:
Wieso eine neue "Moral" etablieren, wenn die Menschen der EU bereits ein Vorverständnis dieses Begriffes haben? Verstehst du was ich meine?
Nein, ich verstehe nicht, was Du meinst, denn ich rede NICHT von einer NEUEN Moral.
Im Allgemeinen galt schon immer die "Ich hau Dich nicht, also haust Du mich nicht" Moral, welche im Laufe der Jahrtausende von Religionen, aber auch unabhängig von Religionen, weiterentwickelt wurde.

Religiöse Menschen beziehen sich auf ihre Bibel, ihren Koran oder auf ihre Toilettenlektüre, wenn sie ihre Ethik/Moralvorstellungen darlegen.
Nicht religiöse Menschen beziehen sich beispielsweise auf das, was große Philosophen sagten.

Das Interessante an Philosophisch definierten Moralvorstellungen ist, dass sie auch auf die Ideale der religiösen Menschen treffen und für jene übernehmbar sind (Und zwar von sich aus übernehmbar - man kann niemandem etwas aufzwängen, das er ohnehin freiwillig übernimmt), weil sie sich nich mit den religiösen Vorstellungen beißen.

Zitat:
Hier geht es nicht ums "Abtreibungs- oder Kondomverbot" der Kirche, um Blödsinn wie "kein Sex vor der Ehe" oder dergleichen. Sowas soll doch gar nicht in die Verfassung und hätte dort auch nichts zu suchen.
Es war überflüssig für Dich, das zu schreiben, weil ich auch nicht denke, dass es darum geht.

Zitat:
Aber wenn du Wertvorstellungen wie Solidarität, Mitgefühl etc - die als Wertungsmaßstab den einzelne Normen der EU-Verfassung in der Praxis eine Form geben sollen - verteufelst, [...]
Ich verteufele sie nicht, denn diese Wertvorstellungen werden auch von mir geteilt. Aber eben nicht göttlich begründet.
Einigkeit, Recht, Freiheit, Brüderlichkeit, Solidarität, Mitgefühl.
Das sollte alles in einer guten Verfassung stehen - Aber muss das unbedingt in Verbindung mit Gott und der Kirche gebracht werden, obwohl andere das "gesicherte Dasein der Kirche als DIE moralische Instanz" gerne mit Steinen bewerfen würden, weil es in ihren Augen überhaupt nicht so stimmt?
Es wäre am demokratischsten, Gott einfach aus der Verfassung rauszulassen und jedem einzelnen über die Normen weiterdenken zu lassen, was er will.

Zitat:
[...], nur weil die geläufigsten Ausprägungen und Konkretisierungen dieser Worthülsen von Vertretern der "Kirche" vorgenommen wurden und daher vll dogmatisch eingefärbt sind, hast du nicht verstanden worum es geht.
Nun ja, wenn Du nicht verstanden hast, dass ich diese Normen nicht verteufele, dann hast DU nicht verstanden, worum es geht.

Zitat:
Schreib drauf was du willst, "christlicher Moralbegriff", "atheistischer", "Ethik", was du willst...einfacher und "pragmatischer" ist es, einen Begriff zu wählen, der den meisten Menschen gebräuchlich und verständlich ist. Und das ist nunmal der Moralbegriff, den die Kirche geprägt hat, ob dir das gefällt oder nicht...

NABA
Wie wär's, gängige Moralvorstellungen in die Verfassung zu setzen, OHNE eine angebliche einzige Herkunft aus dem Christentum anzuhängen?
Letztere ist in einer Verfassung nicht nötig zu erwähnen (außerdem ist sie diskutabel und DAS ist der Punkt um den es mir geht) und jedem selbst ist es überlassen, welche Herkunft die Brüderlichkeit, die er ausübt, letztendlich hat.
Jacek ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.04.07, 18:43  
Sebastian
 
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Standard AW: Papst fordert Gottesbezug in EU-Verfassung

Ich spare mir das Quoten hier, denn ich finde - das habe ich schon öfter geschrieben - dass dies der Lesbarkeit EXTREM abträglich ist.

Letztendlich liegen wir in unseren Ansichten gar nicht so weit auseinander denke ich.
Trotzdem bleibe ich bei dem Standpunkt: Der am meisten verbreitete Moralbegriff in unserer Gesellschaft ist der der Kirche! Daher wäre es nur sinnvoll, bei Wertungsentscheidungen auf diesen kirchlichen/religiösen Moralbegriff zurück zu greifen. Philosophen und ihre Ansichten werden Otto Normalbürger weit weniger geläufig sein als religiöse Vorstellungen zum gleichen Thema.
Daher macht es nur Sinn - und ich betone es nocheinmal - die Vorstellungen zu Auslegungszwecken heranzuziehen, mit denen der Großteil der Bevölkerung etwas anfangen kann. Auch DAS ist Demokratie, Herrschaft der Mehrheit.

Irgendwelche Vorstellungen MUSST du doch heranziehen, lässt du den Gottesbezug weg, schaffst du eine atheistische Auslegung, was wiederum dem Großteil der Bevölkerung zuwider laufen würde und damit nicht weniger diskriminierend wäre, als würde man einen bestimmten religiösen Moralbegriff verwenden. Nur wäre die Zahl der Diskriminierten ungleich höher...

Letztendlich alles theoretisches Geplänkel, wie mein kleines Beispiel oben zu zeigen versucht, hat alles eher deklaratorische und weniger praktische Bedeutung. Grundlegende Entscheidungen werden nicht aufgrund oder zulasten einer Religionsgemeinschaft getroffen werden, dazu gibt es die Religionsfreiheit.


Gruß

NABA
Sebastian ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.04.07, 21:06  
Jacek
 
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Standard AW: Papst fordert Gottesbezug in EU-Verfassung

An sich kann ich beim Durchlesen grundlegend nicken - wenn auch mit fragendem Gesichtsausdruck, dass Du selbst die Kirche als das Moralsystem der Dummen darstellst? Vielleicht will ich das auch nur so interpretieren, weil es meiner Ansicht garnicht so widerspricht.

Zitat:
Zitat von NABA Beitrag anzeigen
Irgendwelche Vorstellungen MUSST du doch heranziehen, lässt du den Gottesbezug weg, schaffst du eine atheistische Auslegung, was wiederum dem Großteil der Bevölkerung zuwider laufen würde und damit nicht weniger diskriminierend wäre, als würde man einen bestimmten religiösen Moralbegriff verwenden. Nur wäre die Zahl der Diskriminierten ungleich höher...
Man müsste hier die Positionen bisschen anders klar machen.
Wenn man Gottesbezüge aus einer Verfassung herausschafft, dann ist sie direkt allgemeingültiger. Auch für Moslems, Buddhisten und so weiter.
Das heißt, eine atheistische Verfassung kann jeder ohne die Nase zu rümpfen übernehmen.

Das ist wie, wenn man vom Brot die Gurken runternimmt, weil es ein paar Leute gibt, die keine Gurken mögen, und die, die Gurken essen würden, das Brot auch ohne Gurken essen.
...Aber das heißt ja nicht, dass man nicht noch Gurken für sich drauftun kann...

Ich persönlich hasse Gurkenbrot und ich esse das Brot auch nicht mehr gerne, wenn mal Gurken drauf waren, weil ich den Geruch, den ich so hasse, danach immer noch auf dem Brot vernehme!

Eine atheistische Verfassung würde immer noch nicht zu 100% meine Ansichten vertreten, weil meine Ansichten doch teilweise etwas mehr in Richtung Antitheismus abdriften.
Trotzdem wäre es die demokratische Mitte, die jeden passt, weil sie keinem widerspricht. Und zwar ohne Kompromisse. Oder siehst Du ein Brot, auf das die Gurke nachträglich aufgelegt wurde, als Kompromiss gegenüber dem Brot an, das direkt mit Gurke kam, wenn es in Deinem Mund das gleiche ist?
Jacek ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.04.07, 19:48  
Gerhard_Kemme
 
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Cool AW: Papst fordert Gottesbezug in EU-Verfassung

Guten Tag!
Zitat:
Zitat von NABA Beitrag anzeigen
Hör doch auf rumzuheulen. Lass den Leuten ihren Glauben, sie lassen DIR doch auch deinen Unglauben, oder??
Es geht hier nicht nur um Glaube oder Unglaube, sondern um eine ausschließliche Glaubensausrichtung auf den Gottesbegriff von Religionen, die aus dem Orient stammen.
Zitat:
Zitat von NABA Beitrag anzeigen
Willst du bestreiten, dass sich die Kirche für Moral, Ethik etc einsetzt?
Welche Kirche/n meinst du? Die christlichen Kirchen, die jüdischen Gemeinden, die islamischen Gemeinden? Fragt sich dann z.B. bei christlicher Moral, was die europäischen Bürger vom symbolischen Verzehr von Blut und Leib halten. Es stellt eine Anmaßung dar, die Sittenlehren von Religionen auch nur in die Nähe einer Verfassung zu bringen.
Zitat:
Zitat von NABA Beitrag anzeigen
Ruft der Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) regelmäßig zu friedlichem Miteinander, zur Solidarität und Hilfe für Arme und Bedürftige auf,
Auf diese Aufrufe könnte und sollte die Kirche verzichten und sich stattdessen um ihre eigentliche theologische Aufgabe kümmern. Das sind alles politisierende Ersatzhandlungen, bei denen es um Kritik an den politisch Verantwortlichen geht.
Zitat:
Zitat von NABA Beitrag anzeigen
nimmt er Stellung zu gesellschaftlichen Problemen, sammelt Spenden um aktiv etwas zu ändern? Tut er nicht!
Nicht Worte zählen, sondern Taten!
Alleine dieser Grundsatz legitimiert die Kirche als moralische Instanz.
Andere Organisationen setzen sich allerdings für Arbeitsplätze und nicht immer nur für Ehrenämter ein. Wie gesagt, kann keine Religion eine moralische Instanz sein, weil gerade die Religionen z.B. den Opferbegriff sehr betonen. Sehr schnell wird dann die Steinigung einer "Ehebrecherin" zur Gott wohlgefälligen Tat. Deutet die eine Religion nur an, geht dann die andere in die Vollen.
Zitat:
Zitat von NABA Beitrag anzeigen
Du hast scheinbar den Impetus nicht verstanden.
Pragmatik ist definiert als "die Orientierung auf das Nützliche, eine zielorientierte Strategie und Handlungsweise".
Religion kann sehr wohl "pragmatisch" sein, nämlich dann wenn sie geeignet ist, das angestrebte Ziel zu erreichen.
Allerdings sind die angestrebten Ziele uneinheitlich. Wer Tierschutz will, wird nicht die rituelle Schlachtung als Gott gewollte Handlung verherrlichen wollen.
Zitat:
Zitat von NABA Beitrag anzeigen
Ziel der EU-Verfassung ist es, Maßstäbe für das Zusammenleben /-wirken der Gesellschaften im europäischen Raum zu schaffen. Dies geht nicht ohne Wertungen und Auslegungen, die sich an bestimmten bestehenden Wertvorstellungen orientieren müssen. Diese Wertvorstellungen SIND bereits vorhanden, sie sind Teil unserer Gesellschaft in den gesellschaftlichen Vorstellungen, die über die Jahre maßgeblich von der Kirche geprägt wurden.
Wenn wir uns immer an bestehende Wertvorstellungen halten wollten, könnten wir auch die Normen von Ludwig XIV oder Friedrich des Großen benutzen. Die drei aus dem Orient stammenden Religionen haben sich gewaltsam in Europa durchgesetzt. Warum sollten die Bürger Europas freiwillig hier fortwährend nur orientalisches Gedankengut zulassen. Wenn Europa nur fremdbestimmt sein soll, dann könnte man die Präambel auch durch Buddhisten formulieren lassen.
Zitat:
Zitat von NABA Beitrag anzeigen
Wieso eine neue "Moral" etablieren, wenn die Menschen der EU bereits ein Vorverständnis dieses Begriffes haben?
Warum dann gerade eine "Moral" festschreiben, die aus einer völlig anderen Weltregion kommt und 5000 Jahre alt ist?

Insgesamt wird versucht hier ein Gesetzeswerk mit heißer Nadel flink zusammen zu schustern, ohne die Interessen der konkret vorhandenen Bevölkerung auch nur im Entferntesten zu berücksichtigen. Es sind konkrete religiöse Vorstellungen vorhanden, die man nicht einfach nur einer orientalischen Kultur und Sichtweise unterordnen kann. Wenn dann sogar aus der Religion eine allgemeingültige moralische Wertordnung per Verfassung festgeschrieben werden soll, dann wird das richtig entsetzlich.

MfG Gerhard Kemme
Gerhard_Kemme ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.04.07, 19:49  
Gerhard_Kemme
 
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Cool AW: Papst fordert Gottesbezug in EU-Verfassung

Guten Tag!
Eigentlich wäre ein Round-Table-Gespräch notwendig. Da säßen dann Zeugen Jehovas, Scientologen, Linke, Rechte, Wotan-Zeuss-Anhänger, Buddhisten, Hinduisten, Schamanisten, Christen, Moslems, Juden und Andere. Wie jeder es sich vorstellen kann, würde das nicht funktionieren. Insofern wäre es vermutlich das beste über jeden Artikel der Verfassung einzeln abzustimmen, wobei es selbstverständlich dann mehrere Vorschläge geben sollte, d.h. es wird über die Präambel mit/ohne/sonstigen Gottesbezug abgestimmt, wobei z.B. zwanzig Vorschläge zur Auswahl ständen. Wird einfach die Gottesvorstellung der aus dem Orient stammenden Religionen übernommen, dann unterdrücken die, die immer unterdrückt haben und es werden die unterjocht, die immer unterjocht worden sind.
MfG Gerhard Kemme

Geändert von Gerhard_Kemme (10.04.07 um 20:03 Uhr).
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